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Akademie zieht mit neuem Namen in Dreikönigsforum


30. Juli 2020

Fünf Bildungseinrichtungen arbeiten in der sächsischen Landeskirche künftig unter einem Dach zusammen. Das Dreikönigsforum Dresden im „Haus der Kirche Dresden“ (Hauptstraße 23) umfasst ab 1. September 2020 neben der die bisherige Bildungsarbeit des Hauses der Kirche nun auch die Evangelische Akademie Sachsen, die Evangelische Erwachsenenbildung Sachsen sowie die Frauenarbeit und die Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Auch die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen (eaf Sachsen e.V.) wird präsent sein. Der Ort in der Dresdner Neustadt bietet gute Voraussetzungen an gesellschaftlichen Debatten teilzunehmen und Diskurse aufzugreifen. Dabei soll die christliche Perspektive aktueller Fragestellungen hörbar gemacht werden.

Der Umzug der Einrichtungen in die eigens dafür umgebauten Räumlichkeiten in der Dreikönigskirche beginnt demnächst. Dann ziehen zunächst die Mitarbeitenden der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen (EEB) sowie der Frauen- und Männerarbeit aus ihrem bisherigen Dienstgebäude in Dresden-Blasewitz (Tauscherstraße 44) in die neuen Büro-Räume in der Dreikönigskirche. Im September kommen dann die Mitarbeitenden der Evangelischen Akademie Meißen hinzu, welche seit 1992 im Sankt-Afra-Klosterhof in Meißen beheimatet war.

Mit dem Umzug von Meißen nach Dresden wird sich auch der Name der Evangelischen Akademie Meißen ändern, die nun „Evangelische Akademie Sachsen“ heißen wird. Zukünftig soll ihre Arbeit stärker in den Raum der Landeskirche ausstrahlen. Für mehrtägige Veranstaltungen steht den Einrichtungen weiterhin der Klosterhof in Meißen zur Verfügung.

Im Zuge der Neustrukturierung der kirchlichen Einrichtungen und Werke möchte die sächsische Landeskirche Kräfte bündeln, Synergie-Effekte nutzen und einzelne kirchliche Orte stärker profilieren. Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte, welche den Prozess begleitet hat, sagt dazu: „Wir freuen uns, dass wir mit dem Dreikönigsforum nun einen Ort haben, wo die lange Tradition verschiedener evangelischer Bildungseinrichtungen künftig bewusster wahrgenommen werden kann und die einzelnen Zielgruppen und Dialogpartner der Werke sich begegnen und vernetzen können. Gleichzeitig behält jede Einrichtung ihre Besonderheit, so dass ein Ort der Vielfalt entsteht und die Ausstrahlung in die Landeskirche verstärkt wird.“

Mit dem Umzug ist eine erste Etappe im Prozess der Neustrukturierung erreicht. In einem weiteren Schritt soll der Sankt-Afra-Klosterhof als Zentrum für die kirchliche Aus-, Fort- und Weiterbildung etabliert und profiliert werden.

 

Zu den einzelnen Einrichtungen:

Das „Haus der Kirche“ (Dreikönigskirche) ist heute ein modernes Veranstaltungs- und Tagungszentrum mit vielen Möglichkeiten. Es fasst als Dienstleister für Tagungen, Kongresse und Seminare die eigene Themenarbeit zu gesellschaftlichen Fragestellungen mit Angeboten zu Kultur und Bildung zusammen. Der Kirchraum, Kern des historischen Bauwerks, steht jedem Besucher für Andacht und Gebet offen. Er ist zugleich Gottesdienststätte der Dreikönigskirchgemeinde innerhalb des Kirchspiels Dresden-Neustadt und Raum für vielfältige Konzerte.

Die Dreikönigskirche entstand zwischen 1732 und 1739 nach den Plänen des Zwingerarchitekten Matthäus Daniel Pöppelmann. Die Bauausführung und wesentliche Gestaltung des Innenraumes erfolgten durch den Frauenkirchenerbauer George Bähr. Der mächtige Turm im Westen entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach einer umfassenden Restaurierung (1933/1934) brannte die Kirche im Bombenhagel des 13. Februar 1945 aus.

In den Nachkriegsjahren wurde mit großem Engagement die Ruine enttrümmert. In der Turmkapelle des erhalten gebliebenen Kirchturmes konnten Gottesdienste gefeiert werden. Erst 1977 wurde die Genehmigung zum Wiederaufbau der Dreikönigskirche erteilt, nachdem es vorher bereits Pläne zu ihrem Abriss gegeben hatte. Im Rahmen des Sonderbauprogramms der Evangelischen Kirche Deutschlands konnte am 31. Oktober 1984 der Grundstein gelegt werden, am 9. September 1990 wurde die »Dreikönigskirche – Haus der Kirche geweiht«.

 

Die evangelische Akademie-Arbeit in Sachsen geht, wie in anderen Landeskirchen, auf die Nachkriegszeit zurück. Die evangelischen Kirchen wollten mit den gegründeten Akademien einen Beitrag zu einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft leisten. So kam auch in Sachsen der Anstoß von Vertretern der Bekennenden Kirche. Schließlich wurde 1949 mit dem Ehepaar  Georg und Magdalena Muntschick die Evangelische Akademie Meißen offiziell ins Leben gerufen. Dazu diente deren Privathaus in der Jüdenbergstraße, das sie der Kirche zur Verfügung stellten. Die Tagungen wurden auch in den Räumen des Meißner Hochstifts durchgeführt, Gottesdienste im Dom und für Übernachtungen fanden sich Privatquartiere.

Nach der Friedlichen Revolution zog die Evangelische Akademie 1992 in den Sankt-Afra-Klosterhof um. Er wurde von der sächsischen Landeskirche gekauft und zu einem Tagungshaus ausgebaut. Es war eine Erweiterung: räumlich – und vor allem auch inhaltlich. Es entstand eine Evangelische Akademie mit vier Studienbereichen für Religion, Politik, Kultur und Jugend in einer freiheitlichen Demokratie.

Im Jahre 2020 beschloss die sächsische Landeskirche, den Sitz der Evangelischen Akademie Sachsen nach Dresden zu verlegen.

 

Die Frauenarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens hat eine vergleichsweise lange Tradition. So liegen die Wurzeln in der Zeit der frühen Industrialisierung des 19. Jahrhunderts mit sozialen Notlagen, als sich Frauen in evangelischen Frauenvereinen zusammenschlossen, um sich vor allem karitativen Aufgaben zu widmen. Nach der Gründung eines Zentralausschusses 1859, war die eigentliche Geburtsstunde die Gründung eines „Ausschusses für Christlichen Frauendienst“ im Jahre 1907. Es folgten der Beginn des Reisedienstes, der Aufbau von Bezirksstrukturen bis hin zu Ausbildungsstätten für Gemeindehelferinnen.

Während des Nationalsozialismus wurden die „Soziale Frauenschule“ aufgelöst und karitative Betätigungsfelder untersagt. Es gründete sich dafür die „Frauenschule für kirchlichen Dienst“ mit Schwerpunkt Gemeindearbeit.

Nach dem Krieg als „Landeskirchliches Amt für kirchliche Frauenarbeit“ fanden 1947 die ersten Frauentreffen (Rogate-Frauentreffen) statt und die Frauenarbeit beteiligte sich ab 1950 am Weltgebetstag. Nach der Friedlichen Revolution war ein weiterer Schwerpunkt neben der kirchgemeindlichen Arbeit die Müttergenesung und die daraus erwachsene Kurberatungsarbeit.

 

Die Anfänge der kirchlichen Männerarbeit gehen ebenfalls auf das soziale Engagement von Christen in Sozialvereinen und Parteien im vorletzten Jahrhundert zurück. Aufgrund des damaligen Rollenverständnisses waren aber der Zugang und die Möglichkeiten für Männer in den gesellschaftspolitischen Kontext leichter.  Es war die Zeit der Ausprägung eines neuen bürgerlichen und proletarischen Selbstverständnisses, stärker an der politischen Macht zu partizipieren, um Reformen zu ermöglichen.

In Sachsen wurde durch die Wirkung der sächsischen Verfassung von 1831 auch der Ruf nach Beteiligung des Kirchenvolkes an der Leitung der Kirche immer lauter, was sich in der Einführung der Kirchenvorstands- und Synodalwahlordnung 1868 niederschlug.

Der Zusammenschluss von Evangelischen Arbeitervereinen zu einem Landesverband im Jahre 1897 gilt als Anfang der Männerarbeit in Sachsen. 1933 wurde er aufgelöst. 1946 entstand die Männerarbeit der Evangelischen Kirche, die der Sammlung, Ausrüstung und Sendung der Männer dienen sollte. Heute veranstaltet der Arbeitsbereich „Handwerk und Kirche“ in der Männerarbeit Regionale Handwerkerabende, Handwerkergottesdienste, Werkstattgespräche und Rüstzeiten sowie den Austausch unter Handwerkern und Gewerbetreibenden. Thematisch geht die Männerarbeit auf das heutige Rollenverständnis von Männern, auf Vater-Kind-Beziehungen und auf geschlechterspezifische Fragestellungen ein.

 

Die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB) als Werk der sächsischen Landeskirche ist 1992 aus der „Gruppenorientierten Gemeindearbeit“ (GOG) hervorgegangen, die sich bereits seit 1975 einer ganzheitlichen Bildungsarbeit zuwandte. Die sächsische Landeskirche hatte zuvor als einzige Landeskirche im Osten eine eigene Arbeitsstelle „Gruppenorientierte Gemeindearbeit“ gegründet. Die frühere Neulehrerin und Reformpädagogin Regine Thierbach prägte zusammen mit dem katholischen Theologen Wolfgang Bartel nachhaltig die Arbeit, um Erkenntnisse aus der Humanwissenschaft, der Gruppenpädagogik und Gruppendynamik für Gemeindegruppen nutzbar zu machen.

Weitere Wurzeln und Einflüsse der damaligen Bildungsarbeit waren die Arbeit von Kongress und Kirchentag sowie die Lehrbriefe und Konsultationen von „Stud.Christ“. Auch dies war eine sächsische Besonderheit mit der frühen Hinwendung zu Umweltfragen und Friedensethik, Lebensstil und Grundfragen des Glaubens und Erziehung. Hier schon kam es zur regelmäßigen und öffentlichen Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Meißen, den Studentengemeinden und bei Gemeindeaufbauprojekten. Nach der Friedlichen Revolution erweiterte sich das Angebot des öffentlich anerkannten Bildungsträgers. Heute ist die EEB Sachsen als Bildungseinrichtung zertifiziert nach dem Modell QESplus, einem System zur Qualitätsentwicklung für Weiterbildungseinrichtungen.

 

Die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen – eaf Sachsen e.V. vertritt als Dachverband familienbezogene Einrichtungen, Werke und Verbände der evangelischen Kirche in Sachsen.

Die eaf Sachsen setzt sich auf Grundlage des Evangeliums gemeinsam mit den Mitgliedern für eine familiengerechte Gestaltung von Politik, Gesellschaft und Kirche ein.

Konkret geht es u.a. Familienbildungsangebote, Projekte, Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu familienrelevanten Themen in Absprache mit dem Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und die politische Vertretung von Familien in Gremien und in der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände im Freistaat Sachsen.

 

Foto: Jens Ahner

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